Montag, 4. Januar 2010

Bei der BEKB verdient der Chef höchstens 20-mal mehr!

Artikel in der NZZ vom 03.01.2010:
Bei der BEKB verdient der Chef höchstens 20-mal mehr!

Die Berner Kantonalbank setzt seit Jahren auf eine strenge Lohnpolitik
Die BEKB beschränkt den Lohn des Chefs. Zudem müssen die Verwaltungsräte bei Misserfolg einen Teil ihres Fixlohnes zurückzahlen.

«Nein danke» zu sagen, fällt Topmanagern und Verwaltungsräten von Schweizer börsenkotierten Unternehmen schwer. Insbesondere dann, wenn es um ihre Entlöhnung geht. Vor allem die Manager der Finanz- und Pharmawelt haben verlernt, Mass zu halten.

Kein Wunder, erhöht sich im angelaufenen Jahr der Druck auf die Führungsgremien, die Salärpolitik an realistische Grössen anzupassen (siehe Kasten). Ein börsenkotiertes Unternehmen hat bereits bewiesen, dass dies auch ohne öffentlichen Druck möglich ist. Die Berner Kantonalbank (BEKB) kennt seit 2002 für ihre Verwaltungsräte ein sogenanntes Bonus/Malus-System, und seit 2006 beschränkt sie den Lohn des obersten Chefs auf maximal das 20-Fache des tiefsten Lohnes.

Konkret, so BEKB-Chef Jean-Claude Nobili, heisse dies für die Verwaltungsräte: «Sie erhalten ein Fixum, das für jeden Verwaltungsrat im Geschäftsbericht publiziert ist. Zusätzlich bekommen sie im besten Fall nochmals so viel als variable Vergütung. Bei Verlusten müssen sie bis maximal 50% des Fixums wieder zurückzahlen.» Zudem dürfen, so ist es in den sechs Grundsätzen zur Corporate Governance im Geschäftsbericht festgehalten, die Verwaltungsräte keine Aufträge der Bank annehmen. «Das würde die Unabhängigkeit der Mitglieder schwächen», ist Nobili überzeugt. Zahlreiche andere börsenkotierte Unternehmen kennen keine solche explizite Einschränkung.

Für das Management limitierte der BEKB-Verwaltungsrat vor drei Jahren die Entschädigung: Der höchste Lohn darf das 20-Fache des tiefsten Lohnes nicht übersteigen. Zudem hält der Geschäftsbericht fest: Die BEKB «bezahlt keine Abgangsentschädigungen».

So weit wie die Berner Kantonalbank gehen die anderen Kantonalbanken mit ihrer Entschädigungspolitik nicht. Die Zürcher Kantonalbank zum Beispiel setzt auf Anfang 2010 erst die Richtlinien um, welche die Finanzmarktaufsicht für die grössten Schweizer Finanzinstitute vorgegeben hat. Die ZKB bezeichnet ihre Vergütungspolitik, die im Vergleich zur Branche «zurückhaltend ausgelegt» sei, als «sehr moderat» und «massvoll». Ähnlich tönt es aus anderen Kantonalbanken.

Auch über die Finanzindustrie hinaus dürfte sich kaum ein Unternehmen finden, das ebenso rigide Grundsätze verfolgt wie die Berner Kantonalbank. Dominique Biedermann, Direktor der Anlagestiftung Ethos, lobt die Grundsätze der BEKB als vorbildlich. Was die Löhne des Managements von börsenkotierten Unternehmen angeht, fordert er allerdings nicht unbedingt eine Limitierung, sondern einen Fixlohn, der sich am Medianlohn für die Chefs in der Branche orientiert. «Und der variable Lohn sollte nicht höher sein als der Fixlohn», ergänzt Biedermann. Für Novartis-Chef Daniel Vasella, der heute 40 Mio. Fr. verdient, würde dies heissen: «2 Mio. Fr. fix, was dem Median der 15 grössten weltweiten Pharmakonzerne entspräche. Dazu kommen maximal nochmals 2 Mio. Fr. Bonus», so Biedermann. Sei der Anteil des variablen Lohns zu hoch, orientierten sich die Manager nur an ihren persönlichen Zielen, die vielfach nicht dem Gesamtwohl der Firma entsprechen würden.

Der BEKB haben ihre rigiden Corporate-Governance-Grundsätze nicht geschadet: Der Aktienkurs stieg seit 2002 um 90%, während der Swiss-Performance-Index nur 30% zulegte. Im Krisenjahr 2008 kletterte der Berner Titel um 12%.

Dass die Berner Kantonalbank früher als alle anderen Banken auf eine transparente und bodenständige Lohnpolitik setzte, hat einen Grund: In den 1990er Jahren war es die Berner Bank, welche sich im Kleinen in einer ähnlichen Situation befand wie die UBS im Herbst 2008 im Grossen. Sie musste faule Kreditpapiere auslagern. Wie der Bund bei der UBS, eilte der Kanton zu Hilfe. «Wir sind aufgrund dieser Erfahrung tatsächlich ein gebranntes Kind», bestätigt Nobili. Deshalb habe man die Ausrichtung der Bank überprüft, langfristige Ziele formuliert und sich auf die eigenen Stärken zurückbesonnen: die Regionalität. «Logisch ziehen wir mit unserer Strategie nicht die geldgesteuerten Banker an, sondern langfristig denkende Menschen.»

Weiterer Artikel in diesem Zusammenhang:
Managerlöhne im VisierÖffentlichkeit, Politik und Aktionäre erhöhen den Druck

Auf drei Schienen kommen die Vergütungssysteme börsenkotierter Unternehmen unter Druck. Erstens wird – frühestens Ende 2010 – die Abzocker-Initiative von Thomas Minder vors Volk kommen. Sie sieht mehr Macht für Aktionäre vor und unter anderem eine Limitierung der Gehälter von Verwaltungsrat und Management.

Zweitens arbeitet das Parlament an der Revision des Aktienrechts. Dort soll ein indirekter Gegenvorschlag zur Abzocker-Initiative einfliessen. Darin schlägt der Ständerat vor, die Aktionärsrechte weiter auszubauen, als dies der Bundesrat vorgeschlagen hat. So sollen Abgangsentschädigungen, Voraus-Vergütungen und Prämien für Firmenkäufe und -verkäufe verboten werden.

Drittens erhöht sich auch vonseiten der Aktionäre wie der Ethos-Stiftung der Druck. So will Direktor Dominique Biedermann bei Novartis erneut eine Konsultativabstimmung über die Vergütung von Verwaltungsrat und Management erwirken sowie das Doppelmandat von Daniel Vasella angreifen. Ebenfalls eine Konsultativabstimmung fordert Biedermann für Holcim, Swiss Re und Zurich. Für ihn ist klar: «Die Aktionäre sollten über das Lohnsystem einer Firma abstimmen können.» Das heisst über die Gesamtsumme für die Führungsriege und über die Bonuspolitik.

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